Wheel of Consent & 3-Minuten Spiel

Was bedeutet Konsens?

Konsens bedeutet Einvernehmlichkeit. Es beschreibt eine klare, freiwillige und gegenseitige Vereinbarung zwischen Menschen. Im Kontext meiner Arbeit bedeutet Konsens nicht nur das Fehlen eines „Neins“, sondern ein bewusstes, verkörpertes „Ja“. Das Wheel of Consent® (Konsens Rad) entwickelt von Betty Martin hilft dabei, genau diese Klarheit zu finden und eine Sprache für deine Grenzen und Wünsche zu entwickeln.

The Wheel of Consent®

Das Konsens Rad ist eine Praxis für zwei oder mehr Personen, die üblicherweise durch den Austausch von Berührungen erlernt wird. Es ist eine Methode, um „Empfangen“ und „Geben“ auseinanderzuhalten, sodass du jeden dieser Aspekte einzeln und nacheinander erfahren kannst. Diese Praxis ist genussvoll, erkenntnisreich, nährend und macht Spaß – und sie ist oft auch herausfordernd!

Die Übung verdeutlicht dir den Unterschied zwischen dem Aspekt des „Tuns“ innerhalb einer Berührungsdynamik – also wer handelt – und dem Aspekt des „Geschenks“ – also für wen es bestimmt ist. Ein Beispiel: Du berührst eine andere Person zu deren Vergnügen, oder du berührst sie zu deinem eigenen Vergnügen. Beide Dynamiken sind willkommen und in unterschiedlichen Situationen notwendig. Sobald dieser Unterschied klar ist, wird die gesamte Dynamik der Interaktion transparent. Dies bringt Leichtigkeit, Selbstvertrauen, Eigenverantwortung und Freiheit in die Begegnung.

Wenn diese Dynamiken erst einmal klar sind, wird offensichtlich, wie sie sowohl auf Berührung als auch auf Situationen ohne Berührung anwendbar sind. Tatsächlich kann die Anwendung auf Bereiche außerhalb der Berührung von noch größerer Bedeutung sein.

Das Konsens Rad wird zunehmend in sozialen Beziehungen sowie in soziopolitischen und kulturellen Dynamiken angewendet. Viele Lernende betrachten das Konsens Rad als ein entscheidendes Werkzeug für persönliche und soziale Befreiung.

Indem du das Konsens Rad über einen längeren Zeitraum praktizierst, erhältst du Zugang zu Erfahrungen, die auf anderem Wege nicht zugänglich sind. Was du während der Praxis lernst, wird dir in deinem gesamten Leben zur Verfügung stehen.

Das Konsens Rad® unterscheidet vier Dynamiken – Nehmen, Empfangen, Geben, Erlauben – basierend darauf, wer handelt und wem es dient.

Die vier Quadranten des Konsens-Rades:

  • Empfangen (Accepting): Ich empfange ein Geschenk/Berührung, sie dient mir z. B. eine Massage bekommen.
  • Nehmen (Taking): Ich nehme Berührung, sie dient mir z. B. jemanden umarmen, weil ich es brauche.
  • Geben (Serving): Ich berühre, es dient dem anderen z. B. dem Partner eine Massage geben.
  • Erlauben (Allowing): Ich erlaube Berührung, sie dient dem anderen z. B. der Partner möchte meine Hand halten.

Der Kreis präsentiert Konsens (eine Vereinbarung). Innerhalb des Kreises wird etwas gegeben und etwas empfangen. Ausserhalb des Kreises (ohne Vereinbarung) ergibt dieselbe Handlung Schattenseiten, wie Übergriff oder Ausnutzung.

Um das Konsens Rad zu vertiefen hat Betty Martin das 3-Minuten Spiel entwickelt.


3-Minuten Spiel

Das Spiel besteht aus zwei unterschiedlichen Fragen – jede von ihnen ist ein Angebot. Wechselt Euch mit dem Fragen ab (in beliebiger Reihenfolge).

  • Angebot #1: Wie würdest Du gern von mir berührt werden – für 3 Minuten? Antwort: Bitte kratze meinen Rücken, küsse meinen Nacken, beiße in meine Zehen, halte mich, usw.
  • Angebot #2: Wie würdest Du mich gern berühren – für 3 Minuten? Antwort: Darf ich Deine Arme anfassen, Deinen Rücken erforschen, mit Deinen Haaren spielen, usw. Mache nicht den Versuch, etwas zu „geben“. Dieser Teil ist für DEIN Vergnügen.

Wenn Du diese Fragen stellst, gibst Du ein Geschenk. Sprecht Euch ab – so viel wie nötig. Gib niemals mehr als Du gewillt bist zu geben.

Jede der vier Runden des Spiels versetzt Dich in eine andere Rolle. Entweder DU tust etwas oder DEIN GEGENÜBER tut etwas – und es ist entweder für DICH oder es ist für DIE ANDERE PERSON.

Diese zwei Faktoren ergeben vier mögliche Kombinationen:

  • DU tust etwas und es ist FÜR DICH (Nehmen)
  • DU tust etwas und es ist FÜR DIE ANDERE PERSON (Dienen)
  • DEIN GEGENÜBER tut etwas und es ist FÜR DICH (Annehmen)
  • DEIN GEGENÜBER macht etwas mit dir und tut es FÜR SICH (Erlauben)

Jede der vier Rollen hat verschiedenen Freuden und Herausforderungen. Jede von ihnen wird Dich etwas Bestimmtes über Dich lehren und einen speziellen Aspekt Deines Wesens und deiner Sexualität ansprechen.

Die Absicht ist, zwischen den jeweiligen Rollen zu unterscheiden zu können. Frage Dich: Für WEN ist es? Startet langsam, mit kurzen Intervallen und neutralen (nicht-sexuellen) Körperregionen.

Quadrant: Annehmen

Dein Gegenüber tut etwas und es ist für dich. Die meisten Menschen nennen dies „Empfangen”, aber dies ist nicht die einzige Art, zu empfangen. „Nehmen” ist auch eine Form des Empfangens.

Um anzunehmen:

  1. Setze Dich an die erste Stelle. Gib Dich nicht damit zufrieden, was „OK“ für Dich ist. Es soll wundervoll sein.
  2. Nimm Dir all die Zeit, die Du brauchst, um wahrzunehmen, was genau es ist, das Du willst. Das ist der wichtigste Teil – und oft der Schwierigste.
  3. Bitte so direkt und spezifisch wie möglich um das, was Du willst. Kein „Du könntest ja mal…“, kein „vielleicht“, kein „was immer du willst“.
  4. Höre auf, der „Gebenden Person“ eine angenehme Erfahrung ermöglichen zu wollen. Das ist der Job deines Gegenübers.
  5. Du kannst jederzeit Deine Meinung ändern (und um etwas anderes bitten).
  6. Sage Danke!

Essenz: Nutzen aus der Handlung anderer ziehen.

Quadrant: Dienen

Du tust etwas und es ist für die andere Person. Die meisten Menschen nennen dies „Geben”, aber dies ist nicht die einzige Art, zu geben. „Erlauben” ist auch eine Form des Gebens.

Um zu dienen:

  1. Stelle Deine Vorlieben zur Seite (inklusive der Reaktionen, die Du gerne sehen würdest).
  2. Frage danach, was Dein Gegenüber will – und warte auf die Antwort. Deinem Gegenüber Raum und Zeit für die eigene Entscheidung zu geben, ist der wichtigste Teil.
  3. Entscheide dann, ob Du bereit und fähig bist, das zu tun. Respektiere Deine Grenzen. Frage Dich: „Ist das etwas, das ich aus vollem Herzen geben kann?“
  4. Wenn JA, dann tue es so gut Du kannst.
  5. Sage „Gern geschehen“.

Du trägst zur Erfahrung Deines Gegenübers bei. Das Geschenk, das Du gibst, ist Dein Tun.

Essenz: Handeln, um anderen zu nutzen.

Quadrant: Nehmen

Du tust etwas und es ist für dich. Dieser Teil ist für viele Menschen schwierig und fühlt sich oft seltsam, schwer greifbar oder beängstigend an. „Nehmen” ist eine aktive Form des Empfangens, in der Du ein wahres Geschenk bekommst – das Geschenk des Zugriffs auf einen anderen Menschen. Um es annehmen zu können, musst Du aufhören zu „geben“.

Um zu nehmen:

  1. Frage die andere Person, was ihre Grenzen sind und halte Dich strikt daran.
  2. Nimm Dir Zeit wahrzunehmen, wie und wo Du Dein Gegenüber gern berühren möchtest.
  3. Frage „Darf ich…“ und nicht „Hättest Du gern?“
  4. Benutze Deine Hände um zu fühlen, nicht um zu „dienen“. Sei langsam – je langsamer Du bist desto mehr fühlst Du. Erfühle die Form und die Beschaffenheit der Körperstelle, die Du berührst.
  5. Wenn Du anfängst zu „geben“, erinnere Dich daran, dass es für Dich ist.
  6. Sage „Danke!“

Essenz: Handeln, um dir selbst zu nutzen.

Quadrant: Erlauben

Dieser Teil ist für einige sehr einfach und für andere sehr schwierig. Das hängt davon ab, ob Du weißt, dass Du einen Einfluss darauf hast, wie Du berührt wirst. Erlauben ist eine Form des Gebens. Das Geschenk, das Du gibst, ist Zugriff auf Dich. Lege beiseite, was Du gerne hättest und trage Verantwortung für Deine Grenzen.

Um zu erlauben:

  1. Nimm Dir Zeit, Deine Grenzen wahrzunehmen. Frage Dich: Ist das ein Geschenk, das ich aus vollem Herzen geben kann?
  2. Warte auf ein inneres JA!
  3. Wenn Du zögerst, trifft einer der folgenden Punkte zu:
    • Du brauchst mehr Informationen
    • es ist ein „Nein“, das darauf wartet, von Dir gehört zu werden
    • es wäre ein JA, wenn Du noch eine gewisseGrenze setzen würdest – frage Dich, welche Grenze das ist.
  4. Sage „Gern geschehen!“

Essenz: Nutzen aus der Handlung anderer ziehen


Auf der offiziellen Homepage vom Betty Martins Wheel of Consent findest du eine Vielzahl an kostenlosen vertiefenden Videos und Ressourcen zu diesem Tool: www.wheelofconsent.org/free-resources