Slow Sex als Selbstlern-Reise
Du möchtest Slow Sex selbst mit deinem Partner:in ausprobieren?
Slow Sex bringt Bewusstsein, Verkörperung und tiefere Verbindung in die penetrative hetero Sexualität. Sie kann euch unterstützen, eure konditionierten sexuellen Autobahnen zu verlassen und gibt euch beiden Raum, authentisch und echt mit dir selbst und in der sexuellen Begegnung anzukommen. Euer Nervensystem beruhigt sich und der Fokus verlagert sich von der Leistung auf die Wahrnehmung. Es ist eine Einladung, die subtilen Schichten des Genusses zu entdecken und zu verkörpern.
Hier auf dieser Seite könnt ihr euch an 10 kurzgefassten Lektionen orientieren und ausprobieren. Diese Schritte leiten euch an, die Essenz des Slow Sex zu erfahren, eure sexuelle Kompetenz zu erweitern und eure Intimität tiefgreifend zu heilen.

Diese Lektionen sind entstanden aus der eigenen Arbeit mit meinen KlientInnen und TeilnehmerInnen. Weitere Impulse und Vertiefungen findest du auch in den Büchern und Seminaren von Diana Richardson, welche den Begriff Slow Sex definiert, und drin verschiedene Techniken rund um bewusste Sexualität vertieft und weiterentwickelt hat.
* Zur Einfachheit nutze ich hier in diesem Text die Worte Mann für Menschen mit männlichen Geschlechtsteilen & Frau für Menschen mit weiblichen Geschlechtsteilen und gehe nicht auf die grössere Bandbreite von Genderidentitäten ein. Auch habe ich zu wenig Erfahrung in gleichgeschlechtlichen Techniken für Slow Sex, weshalb ich hier keine Impulse dazu beschreibe.
1. Setzt den Rahmen
Ich schlage vor, dass ihr euch mindestens fünf 1- bis 1,5-stündige Slow Sex Dates in den Kalender schreibt. Diese Zeit ist heilig: Die Kinder sind versorgt, die Handys stumm, und die Türklingel wird ignoriert. Haltet an diesem Ritual fest, selbst wenn Ablenkungen wie Kopfschmerzen oder die Steuererklärung locken.
2. Das Orgasmusziel loslassen
Lasst bewusst los, dass es in dieser Zeit um das Erreichen eines Orgasmus geht. Es ist kraftvoll, euch für die ersten drei Dates die Regel zu geben, aktiv (weder durch Bewegen noch stimulierende Gedanken) keinen Orgasmus zu haben.
- Der Sinn: Es geht nicht darum, den Orgasmus zu unterdrücken, sondern die Enge des Orgasmusziels zu überwinden.
- Die Befreiung: Ihr lehrt eurem Körper und Nervensystem, dass die ersten fünf Minuten des Zusammenseins genauso wichtig sind wie der Höhepunkt. Jeder gefühlte Moment bekommt Präsenz, Genuss vertieft sich und emotionale Intimität wird genährt.
3. Das Nichts-Tun lernen
Stellt in den ersten 3 Dates einen Wecker auf mindestens 40 Minuten, sobald ihr in der Scherenstellung (Die Position für Entspannung im Genitalkontakt) angekommen seid.
- Die Praxis: In dieser Zeit gilt Nichts Tun. Das bedeutet: Nicht bewegen (ausser zum Anpassen der Position), nicht reden (ausser um über eure inneren Empfindungen zu sprechen), nicht streicheln, und nicht krampfhaft Augenkontakt halten – sondern einfach da sein, loslassen, entspannen, wahrnehmen.
- Die Lektion für den Mann: Ohne Stimulation wird eine Erektion oft nicht lange gehalten – und das ist völlig in Ordnung. Hier könnt ihr die Konditionierung loslassen, dass Sex nur mit Erektion „okay“ ist. Lerne, dass dein Penis ohne Druck einfach sein darf.
- Einschlafen erlaubt: Es ist in Ordnung, einzuschlafen. Sprecht vorher ab, ob ihr den Partner:in schlafen lasst oder nach einer bestimmten Zeit weckt.
Hier gehts zur Beschreibung der Scherenstellung.
4. In der eigenen, inneren Erfahrungswelt ankommen
Lenke deine Aufmerksamkeit von den äusseren Reizen bewusst nach innen. Dein Fokus liegt auf der eigenen inneren Landkarte.
- Die Abhängigkeit auflösen: Oft ist unsere Lust abhängig von zusätzlichen Fantasien oder den Lustwellen unseres Partner:in. Die Praxis, den Fokus konsequent auf deinen eigenen Körper und deine inneren Empfindungen zu lenken, reprogrammiert diese Abhängigkeit und holt die Lust in die eigene Verkörperung zurück.
- Die Wahrnehmung: Was nimmst du für Empfindungen in deinem Körper wahr? Wo ist es eng, wo weit? Wo kribbelts, wo ist es stumm?
- Die Präsenz: Erlaube dir immer mal wieder tiefe Atemzüge in den Bauch und ins Becken, am besten mit einem kleinen Ton beim Ausatmen. Nimm die Berührung des Partners/der Partnerin ausschliesslich als deine eigene Empfindung wahr. Wenn du innere Druckstellen oder Schmerzen wahrnimmst, bleibe präsent damit, atme – manchmal verändern sich diese Punkte über die eigene bewertungsfreie Präsenz.
5. Body-Boundaries & Körper-Konsens
Bevor ihr in den Genitalkontakt oder die Vereinigung geht, muss jeder für sich mit der Stimme des eigenen Beckens und der Genitalien einchecken. Lerne, das gefühlte Ja/Nein deines Körpers zu hören und es ernst zu nehmen.
- Die Regel: Eure Interaktion passt sich immer der grösseren Grenze von euch beiden an. Die Bedürfnisse passen sich den Grenzen an, nicht umgekehrt.
- Heilung der Rejection Wound: Wenn eine Grenze als Ablehnung wahrgenommen wird, gebt den aufkommenden Emotionen (Wut, Enttäuschung) Raum, ohne die physische Grenze zu übergehen. Jede respektierte Grenze schafft Sicherheit im Nervensystem und vertieft das Vertrauen.
6. Emotionen zulassen
In der Stille und Präsenz können tiefe Emotionen hochkommen wie Angst, Trauer, Wut, Freude oder auch Zustände wie Langeweile, Scham. Diese Emotionen können sich auch unter euren Projektionen zu einander verstecken. (Projektionen sind Geschichten oder Erwartungen, die aus deiner eigenen unverarbeiteten Vergangenheit stammen, die du aber auf deinen Partner/deine Partnerin überträgst.) Emotionen sind das Tor zur Authentizität und haben eine grosse Wichtigkeit im Slow Sex.
- Der erste Schritt: Schon das Benennen deiner Emotionen an den Partner/die Partnerin ist ein grosser Schritt in Richtung Intimität.
- Der Slow Sex Schritt: Es ist wichtig, Emotionen körperlich zuzulassen, nicht nur darüber zu reden. Wenn Emotionen nicht ins Fliessen kommen, blockiert dies eure Lebensenergie und den gemeinsamen Flow.
- Von der Projektion zur Emotion: Wenn du dich wiederfindest mit einer Projektion an deinen Partner:in („Du nimmst mich nicht so an, wie ich bin“), dann ist es deine Aufgabe die dahinterliegenden Emotionen (Angst, Traurigkeit, Wut) wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben, damit sie in Fluss kommen und die emotionale Blockade sich lösen kann.
- Die Rolle als PartnerIn: Wenn dein Partner:in hochkommende Emotionen benennt, versuche sie nicht gleich persönlich zu nehmen (z.B. Rechtfertigung oder Angst), sondern erlaube deinem Partner:in, in diese Emotionen mehr einzutauchen.
Emotionen in Fluss bringen vs. Beziehungsthema: Nicht alle Gefühle, die während des Slow Sex aufsteigen, sind nur alte Wunden. Sie können auch wichtige Wegweiser für die Verfeinerung eurer aktuellen Beziehung sein. Um dem Slow Sex jedoch eine echte Chance zu geben, ist es entscheidend, diskussionswürdige Beziehungsthemen ausserhalb des körperlichen Dates zu besprechen. Eure Zeit in der Scherenstellung dient dazu, die aufkommenden Emotionen in Fluss zu bringen und zu verkörpern, nicht sie zu nutzen, um eure Beziehung zu hinterfragen oder in eine sofortige Diskussion abzudriften. Trennt den emotionalen Prozess bewusst vom Beziehungsgespräch.
7. Vereinigung & Soft Penetration
Eine bewusste Vereinigung braucht Body-Konsens und Langsamkeit. Eine authentische Penetration braucht keine Kraft. Gemeinsam belauscht ihr die Geschwindigkeit und die fühlbaren Öffnungen eurer Genitalien.
- Mit Erektion: Bleibt eine Weile am Vaginaleingang, geht dann mal einen halben Zentimeter hinein, macht Pause, spürt nach, und geht nur weiter, wenn eine weitere Öffnung von beiden Genitalien fühlbar wird.
- Soft Penetration: Mit uneregiertem Penis kann die Mitte des Schafts manuell langsam in die Vagina geführt werden – der Penis faltet sich dort wieder auf.
Erlaubt, dass Erektionen vom Penis, Kontraktionen von der Vagina und ihr Abklingen einfach da sein dürfen, ohne dass ihr etwas damit „machen“ müsst.
8. Microbewegungen erforschen
Nach der Phase des Nichts Tuns könnt ihr beginnen, Millimeter-Bewegungen zuzulassen. Das Ziel ist nicht Stimulation, sondern die Wahrnehmung subtiler Nuancen in den Genitalien zu vertiefen.
- Der Ablauf: Checkt vor jeder Bewegung das Body-Ja beider ab. Dann macht der eine Partner ein paar Microbewegungen, haltet inne, spürt nach und wechselt dann.
- Die Bremse: Sobald etwas Aktiveres stattfindet, das sich nach euren normalen sexuellen Skripten anfühlt, stoppt wieder, lasst los und kehrt ins Nichts Tun zurück. Nur so öffnen sich die subtileren Erfahrungswelten und ihr verlasst eure konditionierten „sexuellen Autobahnen“.
9. Orgastische Wellen reiten
Authentische orgastische Wellen entstehen, wenn das Orgasmusziel losgelassen, Emotionen zugelassen und ein klarer, ehrlicher Kontakt zum eigenen Körper etabliert wurden. Ich schlage vor, dass ihr euch erst ab dem vierten Date diesem Thema annähert. Authentische Bewegungsimpulse kommen aus der Tiefe, der Stille dem Nichts – sie suchen nicht nach Überdeckung unangenehmer Gefühle.
- In den Fluss kommen: Unterstützt eure Erregungszustände mit tiefen Atemzügen, der Nutzung eurer Stimme und durch Bewegung.
- Das natürliche Ende: Lernt, den Punkt nicht zu verpassen, an dem eine Welle ihr natürliches Ende findet. Oft gehen wir aus der Angst vor Mangel in ein künstliches Hochhalten der Energie über.
- Die Belohnung: Lasst los und nehmt den Moment an, wie er kommt. Euer Körper wird es mit tiefer Verbundenheit, Erfüllung und Genährtsein belohnen, wenn ihr ihn und den authentischen Energiefluss ernst nehmt.
10. Schattenarbeit
Bewusste Sexualität bringt oft unsere tiefsten Lebensthemen (aus dem Wurzel- und Sakralchakra) ins Fliessen.
- Die Themen: Unbewusste Schamgefühle, alte Glaubenssätze über einem selbst und die Welt, oder ein tiefes Gefühl des „Nicht-Gut-Genug-Seins“ oder „Verlassenwerdens“ können an die Oberfläche kommen.
- Die Heilung: Seid füreinander Zeugen dieser Themen, ohne sie zu bewerten. Dies ist die tiefgreifende Heilungsarbeit, welche eure Sexualität langfristig befreit.
Habt ihr Fragen oder kommt an bestimmten Punkten nicht weiter? Ich begleite euch gerne, auch nur punktuell. Hier zu meiner Angebotsübersicht oder einem kurzen, kostenlosen Videocall.
Möchtest du als Einzelperson Slow Sex lernen? Als Mann begleite ich dich in meinem 1-1 Slow Sex Erfahrungsraum gerne in die Welt der bewussten Sexualität. In den Sexual Healing Sessions von Roger Spiess kannst du als Frau über Slow Sex dein Tempo und deine Sexualität vertiefen oder neu entdecken.
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