Ein Forschungsraum für Bedürfnisse, Strategien und somatisches Containment
Kennst du das? In einer Begegnung entsteht eine Pause, und plötzlich spürst du eine Unruhe. Vielleicht greifst du sofort zum Handy, machst einen Witz oder fragst nach einer Umarmung – nicht, weil du die Umarmung gerade wirklich willst, sondern weil du die Spannung der Stille kaum aushalten kannst.
Oder du spürst ein sexuelles Verlangen und gehst sofort in die Umsetzung, suchst Bestätigung oder Sex, nur um kurz darauf festzustellen: Der Hunger ist immer noch da.
Das ist der Unterschied zwischen einer Strategie und einem echten Bedürfnis.
Strategien jagen vs. Bedürfnisse spüren
Wir haben gelernt, unangenehme oder intensive Empfindungen sofort zu „behandeln“. Wir nutzen Strategien, um uns sicher, gesehen oder lebendig zu fühlen. Oft sind das:
- Gefallenwollen (People Pleasing): Etwas tun, damit der andere mich nicht ablehnt.
- Aktionismus: Schnell etwas tun oder sagen, um körperliche Spannung loszuwerden.
- Ersatzhandlungen: Sex oder Nähe suchen, wenn man eigentlich Ruhe oder echte Autonomie bräuchte.
In diesem Workshop erforschen wir, was passiert, wenn du diesen Automatismen in dir bewusst wirst und sie für einen Moment anhältst.
Die Kraft des Containments: Den Raum weiten
Containment bedeutet schlicht: Die Fähigkeit deines Körpers, eine Empfindung zu halten, ohne sie sofort „wegmachen“ zu müssen.
Es ist natürlich schön, ein Bedürfnis sofort zu stillen. Aber wenn wir jedes Bedürfnis sofort entladen, verpassen wir die Chance, wirklich tief mit uns selbst in Kontakt zu kommen. Im Containment liegt eine enorme Freiheit: Du spürst den Impuls, die Lust oder auch die Unsicherheit in deinem Brustkorb, deinem Bauch oder deinem Becken – und du bleibst präsent. Du wirst zum Beobachter deines eigenen Begehrens.
Dadurch entsteht eine neue Wahlfreiheit: Muss ich das jetzt tun, oder will ich es wirklich?
Was wir im Desires Lab tun:
- Präzises Mapping: Wo im Körper spürst du Sehnsucht? Wie fühlt sich „Wollen“ physiologisch an? (Druck, Wärme, Kribbeln, Weite?)
- Strategien entlarven: Wir decken mit Humor und Klarheit auf, welche Wege du gewohnheitsmäßig gehst, um echte Intimität oder Intensität zu vermeiden.
- Klare Kommunikation (NVC & Wheel of Consent®): Lerne, deine Bedürfnisse präzise zu benennen und Anfragen zu stellen, die frei von Erwartungsdruck sind.
- Das Nein halten: Wie reagiert dein Körper auf ein „Nein“? Kannst du die Enttäuschung spüren, ohne dich abzuwenden?
Der Rahmen
Dieser Workshop findet in einem sex-positiven Space statt. Das bedeutet, dass Nacktheit, Berührung und sexuelle Interaktionen möglich sind. Sie dienen uns als Übungsfeld für dein Containment: Kannst du nackt sein, ohne etwas tun zu müssen? Kannst du Erregung spüren, ohne sie sofort in Sex umzuwandeln?
Das Ziel ist, dass du nach diesen zwei Tagen nicht nur weißt, was du willst, sondern auch die körperliche Kapazität hast, für dieses Wollen wirklich einzustehen – souverän, klar und tief verankert in dir selbst.