Aspecting Practice

Ein Leitfaden zur Selbstklärung

Aspecting ist ein kraftvolles Werkzeug zur Selbstklärung, Integration und Bearbeitung von inneren und äußeren Konflikten. Die Methode fördert Authentizität, emotionale Tiefe und Selbstverantwortung. Dabei sind Körper, Stimme und Bewegung wichtige Ressourcen, um feststeckende Emotionen zu verarbeiten und wieder in den Fluss zu bringen.

Es geht darum, mit verschiedenen inneren Anteilen (inneres Kind, Wut, Sehnsucht, …) , (abwesenden) Personen oder abstrakten Themen (Beruf, Liebe, Sexualität, …) in einen Dialog zu treten, um Projektionen zu lösen und Klarheit über die eigene Innenwelt zu gewinnen.

1. Das Setting

  • Zwei Plätze: Nutze zwei Kissen oder Stühle, die sich gegenüberstehen.
  • Die Rollen: Platz A bist du. Platz B ist der Aspekt, mit dem du arbeiten willst.

2. Der Ablauf (20–40 Minuten)

  1. Start auf Platz A: Sprich aus, was gerade in dir lebendig ist. Nutze Ich- und Du-Botschaften (z. B. „Ich fühle mich von dir nicht gesehen“ „Ich spüre diesen Widerstand, wenn ich dir gegenüber bin“).
  2. Der Wechsel: Wechsle physisch auf Platz B. Nimm einen tiefen Atemzug und lass dich in die Rolle des Aspekts sinken. Antworte aus dessen Perspektive.
  3. Dialog-Fluss: Wechsle die Plätze immer wieder, sobald ein neuer Impuls kommt. Achte darauf, den Dialog laut auszusprechen, anstatt ihn nur im Kopf zu führen.

3. Verkörperung & Präsenz

  • Körperliches Spüren: Was nimmst du in deinen Muskeln, deiner Atmung oder deinem Bauch wahr, wenn du auf einem bestimmten Platz sitzt? Erlaube deinem Körper, sich während des Sprechens zu bewegen.
  • Ausdruck geben: Emotionen wie Wut oder Trauer brauchen oft Raum. Du kannst Töne nutzen oder (mit flacher Hand) kontrolliert auf Kissen hauen, um die Energie physisch auszudrücken.
  • Bedürfnisse und Wünsche benennen: Nutze den Raum, um klar auszusprechen, was du brauchst. Sätze wie „Ich wünsche mir von dir…“ oder „Ich hätte von dir gerne gehört…“ sind kraftvolle Bestandteile, um verborgene Bedürfnisse ans Licht zu bringen.
  • Aufrecht bleiben: Falls du merkst, dass du emotional „wegdriftest“ oder dich hinlegen möchtest, versuche, immer wieder in eine aufrechte Sitzposition zurückzukehren, um präsent und handlungsfähig zu bleiben.

4. Selbstfürsorge im Prozess

  • Widerstände respektieren: Nimm Gefühle wie Überforderung, Taubheit, Dissoziation oder inneren Widerstand ernst. Sie sind keine Hindernisse, sondern Wegweiser, die dir zeigen, wo du vielleicht zu schnell vorangehst.
  • Die kleinen Schritte: Du musst nicht alles auf einmal lösen. Es reicht oft, nur einen kleinen Teil des Themas zuzulassen, damit dein Nervensystem die Erfahrung sicher integrieren kann, ohne überfordert zu werden.
  • Offenheit für Unvollständigkeit: Die Übung muss nicht harmonisch enden. Es ist völlig in Ordnung, wenn Themen offenbleiben und unbewusst sich weiter bewegen.

5. Abschluss & Integration

Nimm dir nach der Übung Zeit für dich. Sanfte Bewegung, frische Luft, ein Glas Wasser oder das Aufschreiben einiger Gedanken helfen dabei, das Erlebte im Alltag zu verankern.

Solltest du merken, dass du nach der Übung aktiv weitergrübelst oder in Gedankenschleifen hängen bleibst, entscheide dich bewusst dazu, den Prozess für heute zu beenden. Lenke deine Aufmerksamkeit auf deine Sinne (z. B. den Boden unter den Füßen spüren) oder eine banale Alltagstätigkeit.

Es ist wichtig, dass du dem Prozess auch in den weniger bewussten Raum übergibst, damit er da weiter arbeiten kann.